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Die Einrichtung

Seit 1884 nicht aus Dortmund wegzudenken

In der "Tremonia" Zeitung und Anzeiger für Westfalen und Rheinland, erfolgte am 15. März 1884 ein Aufruf an alle Kreise der Bevölkerung Dortmunds mit folgendem Wortlaut:

In unserer Zeit, welche so reich an erfreulichen Resultaten fortschreitender Entwicklung, aber auch reich an sozialen Gebrechen ist, muß jedes Unternehmen willkommen geheißen werden, welches darauf gerichtet ist, die Beseitigung vorhandener Übelstände herbeizuführen und Not und Elend zu mildern.


Ein solches Unternehmen ist hier angeregt; es soll unter dem Namen "Sanct Josefinenstift" eine Anstalt gegründet werden, welche nachstehende Zwecke verfolgt:

  • 1. Dienstlosen Mägden ohne Unterschied der Konfession ein zeitweiliges Unterkommen gegen billige Entschädigung zu verschaffen, im Falle des Unvermögens aber unentgeltlich.
  • 2. Nicht schulpflichtige Mädchen zu Handarbeiten und zur Führung eines bürgerlichen Haushaltes gegen eine billige Vergütung, unter Umständen unentgeltlich anzuleiten.
  • 3. Arme und Kranke in ihren Wohnungen zu pflegen,
  • 4. In Zeiten eines herrschenden Notstandes eine Armenküche zu unterhalten, aus welcher arbeitslose Familien ohne Unterschied der Konfession gespeist werden,
  • 5. Arbeitsunfähigen weiblichen Personen ein Asyl gegen eine nach deren Verhältnissen zu bemessende Vergütung zu gewähren.

Der Aufruf schließt mit den Worten " So möge denn unser Ruf in allen Kreisen Widerhall finden und Herz und Hand öffnen! Dann wird mit Gottes Hilfe unser Werk gedeihen zum Wohle vieler!"

Unterzeichnet ist er von folgenden Personen:

Kaplan Löhers, Fabrikbesitzer Schüchtermann, Rendant Niemeyer, Dr. med. Bickhoff, Gerichtsrat Drecker, Rentner Hernekamp, Fabrikbesitzer Kremer, Weinhändler Lücken, Königl. Markscheider a.D. Sievers, Bergassessor a.D. Tilmann und Metzgermeister Wolff.

Der Ruf fand Widerhall. Viele Dortmunder Bürger spendeten Geld und Sachwerte. Das eigentliche Stiftungsvermögen, eine Grundstücks- und Gebäudeschenkung hatten die Eheleute Heinrich Schüchtermann und seine Frau Antoinette, geb. Schiller, dem St. Josefinenstift, das seit November 1884 als rechtskräftige Stiftung besteht, übereignet. Eine Begründung des Namens findet sich in dem von den Eheleuten Schüchtermann am 26. August 1893 unterzeichneten " Statut des Sanct Josefinenstiftes zu Dortmund" nicht.

Am 14. Juni 1884 konnte Johannes Löhers, Kaplan an der Dortmunder Propsteigemeinde St. Johannes Baptist, das Sanct Josefinenstift seiner Bestimmung übergeben.


Von Anfang an wurde das Haus durch Vinzentinerinnen aus dem Mutterhaus Paderborn geführt. Der Nachwuchsmangel in ihrer Kongregation nötigte die Schwestern, sich im Jahren 1971 aus dem Dienst und der Leitung des Hauses zurückzuziehen. Seit dieser Zeit werden alle Dienste im St. Josefinenstift von " weltlichen Kräften versehen.


Das Haus wird gemäß dem Statut von 1893 geleitet und in allen Angelegenheiten vertreten durch einen Vorstand, dessen Vorsitzender jeweils der Pfarrer der Propsteikirche zu Dortmund ist. Das Recht der Mitgliedschaft in diesem Vorstand steht ebenfalls dem örtlichen Caritasdirektor zu, sofern dieser ein Geistlicher ist. Die übrigen Mitgliedschaften des insgesamt aus neun Personen bestehenden Vorstandes ergänzen sich jeweils durch Kooptation.


Das Stift befand sich zunächst an der Bornstraße. Dort hatte es sehr bald mit der damaligen Herz-Jesu-Kirche zu tun. In dem "Jahrbuch 1913 - Ein Wegweiser für die Katholiken von Dortmund und Umgebung" heißt es, daß sich das Kuratorium des St. Josefinenstiftes auf Betreiben des damaligen Propstes Löhers und des Rektors Alois Hähling von Lanzenauer am 11. Juni 1894 mit Rücksicht auf die zu der Zeit in Dortmund bestehende Kirchennot zum Bau der Herz-Jesu-Kirche entschlossen habe.


Zu dem 80 500 Mark betragenden Kostenaufwand für den Rohbau wurden ca. 15 000 Mark durch eine Stadtkollekte aufgebracht, der Rest der Bausumme vom Josefinenstift angeliehen.


In der alten Gemeindechronik schrieb Pfarrer Tölle unter dem Jahr 1914:
"So hat das St. Josefinenstift der jungen Gemeinde unentgeltlich Pfarrkirche mit Inventar, Vereinshaus und Wohnung für einen Geistlichen gestellt. Es wird dementsprechend erwartet, daß die Pfarrgemeinde für alle Zeit auf die Bedürfnisse des Josefinenstiftes gebührend Rücksicht nimmt".

Das St. Josefinenstift und das ihm angegliederte Damenheim fielen im Mai 1943, die Herz-Jesu-Kirche im Oktober 1944, den Luftangriffen britischer Kampfflugzeuge zum Opfer. Die Not der Bevölkerung war groß.


Für das St. Josefinenstift mußte ein Ausweichquartier gesucht werden; man fand es in der Madfelder Schule bei Brilon, wo ein kleines Altenheim für 15 Personen eingerichtet werden konnte.


1947 wurde in Dortmund an der Vaerststraße ein eingeschossiges Behelfsheim Josefinenstift mit 30 Wohneinheiten erbaut. Am 19. Februar 1953 konnten die ersten Heim- und Pflegeplätze im St. Josefinenstift am Ostrandweg, heute Ostwall, bezogen werden. Nach dem Um- und Erweiterungsbau im Jahre 1980 hat das Altenheim heute 80 Heim- und Pflegeplätze.

Wer war Heinrich Schüchtermann?
Heinrich Schüchtermann wurde am 20. Oktober 1830 in Recklinghausen geboren. Er stammte aus einer alten westfälischen Familie, die seit Generationen das Uhrmacherhandwerk pflegte. Auch Heinrich Schüchtermann erlernte zunächst dieses Handwerk, ging zu einer weiteren Ausbildung nach London und gründete um 1850 in Dortmund ein Uhrenfachgeschäft.
Schon bald betätigte sich Heinrich Schüchtermann mit der Immobilienbranche und gründete 1870 mit seinem angeheirateten Vetter, Ingenieur Carl-Josef Kremer, im Osten Dortmunds eine Maschinenfabrik. Im Laufe der Zeit erwarb diese Firma einige Grubenfelder die als Gewerkschaft " Schüchtermann und Kremer" weiter betrieben wurden.

Die Stiftung "Sanct Josefinenstift" fiel - wie wir dem Aufruf in der "Tremonia" von 1884 entnehmen können - keineswegs in eine wirtschaftliche Blütezeit.

1873 läutete ein Wiener Börsenkrach eine bis 1893 andauernde wirtschaftliche Rezessionsphase ein, die auch für viele Menschen in Dortmund soziale Not und Armut zur Folge hatte. Aus den Wurzeln seines christlichen Glaubens und aus dem Geist gegenseitigen Vertrauens bezog Heinrich Schüchtermann seine Kraft zu einer starken unternehmerischen Aufbauarbeit und zu seinem ausgeprägten sozialen Engagement. Sein beispielhafter Einsatz wurde 1893 durch die Ernennung zum Geheimen Kommerzienrat öffentlich gewürdigt.
Heinrich Schüchtermann war mit Frau Antoinette, geborene Schiller, verheiratet. auch sie setzte sich engagiert für Menschen in Not ein. Die Ehe blieb kinderlos. Heinrich Schüchtermann starb am 20. April 1895. Sein Wirken und Können ehrte die Stadt Dortmund durch die Einrichtung eines Denkmals am heutigen Ostwall.

Am 8. April 1900 wurde es feierlich enthüllt. Diese Ehrung ihres Mannes konnte Frau Schüchtermann nicht mehr miterleben, denn sie war am 21. März des gleichen Jahres verstorben.

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